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Marktgasse 1

Text: Antje Hainz - Architekturbüro Hainz & Hainz Meißen

Überregional bedeutendes Gebäudeensemble der Renaissance (um 1560 bis 1600). 1990 vor dem Abriss gerettet. Sanierung ab 1991.
Denkmalpflegern aus Meißen und Baden-Württemberg ist es zu verdanken, dass eine dringend nötige Mauerwerkssanierung im Jahr 1991 erfolgen konnte. Die damit begonnene Sanierung wurde nach einem Verkauf an private Bauherren in den Jahren 1996/1997 abgeschlossen. Renaissance-Holzbalkendecken konnten freigelegt und wertvolle Wandfassungen gesichert werden.

Bildergalerie

Marktgasse 1, Ladenzugang mit Sitznischenportal (2015) Marktgasse 1, Baumbewuchs des Daches (um 1985) Marktgasse 1 (2015) Marktgasse 1, Hinterhaus (um 1990) Marktgasse 1 (um 1985) Marktgasse 1, Sandsteingewänder (2015) Marktgasse 1, Vorderhaus Ecke SW (um 1990) Marktgasse 1, Vorderhaus (um 1990)

Informationen

Geschichtliches, denkmalpflegerische Werte & Besonderheiten:
Ausgrabungen, die im Hof hinter den Gebäuden Markt 3/ Marktgasse 1 in den Jahren 1990 - 1992 durchgeführt wurden, belegten eine Bebauung und Hofnutzung dieser Flächen bis ins 12. Jh. zurück. Seit der Anlage der deutschen Kolonisationsstadt (um 1200) weist die Grundstücksgrenze zwischen den beiden Parzellen eine Kontinuität auf. Das Gebäude Marktgasse 1 hat eine städtebaulich hervorragende Position. Es bildet als Eckbau zum Löwengässchen, der in den Straßenraum der Marktgasse vorspringt, eine wichtige städtebauliche Zäsur. Gleichzeitig bildet seine Westfassade den südöstlichen Abschluss des Marktplatzes und das Pendant zur Marktapotheke.
Das überkommene historische Gebäude besteht aus einem - aus zwei Einzelgebäuden zusammengewachsenen - Vorder- und einem Hinterhaus aus der Zeit zwischen 1560 und 1600 (das Gemälde von Hiob von Magdeburg im Stadtmuseum zeigt an dieser Stelle noch drei getrennte Baukörper). Im Inneren hat sich ein noch älterer, steinerner Baukörper eines möglicherweise aus Fachwerk aufgeführten Vorgängerhauses, in dem die Küchen untergebracht waren, erhalten. Dieser Baukörper ist beim Blick in das Löwengässchen durch eine leichten Wandvorsprung und ein kleines Vorhangbogenfenster kenntlich.
Das Hochrenaissance Sitznischenportal, das auf einer Darstellung von 1793 noch auf der Vorderseite des Gebäudes dargestellt ist, befand sich zuletzt sekundär im Seitengebäude am Löwengässchen eingebaut. Das Erdgeschoss des Hauses ist auf der linken Seite mit einem Kreuzgratgewölbe überspannt und weist auf der rechten Seite eine profilierte Holzbalkendecke auf. In den darüber liegenden Geschossen haben sich überall profilierte Holzbalkendecken, z.T. unter späteren Putzdecken erhalten. Auch hochwertige Raumausmalungen aus der Zeit der Renaissance, des Barock bis hin zu Biedermeier und Historismus birgt das Gebäude. Besonders bemerkenswert sind u.a. zwei Landschaftsbilder, die auf den Innenseiten von Blindfenstern im Hintergebäude Anfang des 19. Jh. angebracht wurden.
Entlang des Löwengässchens, dort wo sich heute der Neubau befindet, stand bis 1987 ein Seitengebäude mit einem offenen Laubengang.

Entwicklung bis zur Wende:
1976 war das Gebäude schuldenfrei von der Kommunalen Wohnungsverwaltung übernommen worden. Bis Mitte der 80 er Jahre beherbergte das Erdgeschoss eine Verkaufsstelle für Obst und Gemüse (Markthalle). 1986/87 wurde nach sukzessivem Leerzug der statisch gefährdete Dachstuhl des Haus abgebrochen und ein Notdach errichtet. In einem Schreiben vom 13.02.1990 wandte sich der damalige Beauftragte für Denkmalpflege, Hans-Jürgen Pohl, an das Institut für Denkmalpflege und verwies auf offensichtliche Abbruchvorbereitungen durch den Hauptauftraggeber "Komplexer Wohnungsbau". Zuvor war durch Herrn Steffen Dörfel eine umfangreiche bauarchäologische Untersuchung des Hauses erfolgt, in deren Ergebnis die Hochwertigkeit des Ensembles und seine überregionale Bedeutung belegt wurde. Am 02.04.1990 schrieb Prof. Heinrich Magirius vom Institut für Denkmalpflege an den Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg mit der Bitte um Hilfe zur Verhinderung des Abrisses. Am 06.04. bot der Bürgermeister der Partnerstadt Fellbach F.-W. Kiel mit Bezug auf dieses Schreiben dem Meißner Bürgermeister Klaus Däumer Hilfe an. Es heißt in diesem Brief: "Ich würde es nun begrüßen, wenn keine schnelle Entscheidung für den Abbruch getroffen würde, vielmehr die finanzielle Möglichkeit geprüft wird, wie eine neue Technik, die in der Bundesrepublik zur Klammerung von auseinanderbrechenden Wänden entwickelt wurde, hier zum Einsatz kommen kann."
Das Landesamt für Denkmalpflege BW (Baden-Württemberg) stellte für eine Mauerwerkssanierung durch die Firma Wolfsholz rund 370 TDM bereit. Es gelang danach auch den bis dahin noch im Raum stehenden Abbruch des hinteren, auch aus der Renaissance stammenden, Gebäudeteils zu verhindern. Im April 1991 wurden die Arbeiten durch die Firma Wolfesholz abgeschlossen. In der Folgezeit, bis zur Reprivatisierung, erfolgte abschnittsweise die Sanierung von Holzbalkendecken und die restauratorische Untersuchung und Sicherung von Raumfassungen mit Mitteln aus dem Modellstadtprogramm der BRD, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Kuratoriums "Rettet Meißen - jetzt" e.V.

Entwicklung nach der Wende:
1993 erfolgte die Rückübertragung des Gebäudes an eine Erbengemeinschaft. Damit war den weiteren geplanten Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten erst einmal ein Ende gesetzt. Versuche, das Gebäude im bis dahin erreichten Bauzustand zu veräußern, scheiterten in der ersten Zeit. Im Stadtrat wurden wieder Rufe nach einem Abriss laut. 1996 konnte das Gebäude dann doch verkauft und vom neuen Eigentümer mit Städtebaufördermitteln und unter großem persönlichem Einsatz saniert werden. Es wurde zum Teil restauriert, Renaissance-Holzbalkendecken wurden freigelegt und wertvolle Wandfassungen gesichert. Diese Maßnahmen waren im Februar 1997 abgeschlossen.

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